Dr. Dagmar Rabensteiner - Fachärztin für Innere Medizin und Sportärztin
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"Lass die Nahrung deine Medizin sein
und die Medizin deine Nahrung!"
Hippokrates von Kos

Was versteht man unter orthomolekularer Medizin?

Die orthomolekulare Medizin bildet die wissenschaftliche Grundlage für den Einsatz von Mikronährstoffen zur Vorbeugung und unterstützenden Therapie ernährungsbedingter und chronischer Krankheiten. Zu den Mikronährstoffen zählen Nahrungsergänzungsmittel wie Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente, Aminosäuren, essentielle Fettsäuren und weitere Vitalstoffe. Das orthomolekulare Therapiekonzept ordnet diesen Nahrungsergänzungsmitteln einen präventivmedizinischen und therapeutischen Stellenwert zu.

Die definierten Ziele der orthomolekularen Medizin:

Die orthomolekulare Medizin versucht durch Ausgleich bestehender Defizite und Ungleichgewichte in der Mikronährstoffversorgung eine gute Gesundheit zu erhalten, die Vitalität und Leistungsfähigkeit zu verbessern, die Belastbarkeit zu steigern und Krankheiten unterstützend zu heilen. Der Weg, den die orthomolekulare Medizin beschreitet, bewegt sich weg von der Reparaturmedizin hin zur Krankheitsprävention.

Die definierten Ziele der orthomolekularen Medizin sind:
  • Prävention ernährungsbedingter und chronisch-degenerativer Krankheiten
  • Verbesserung des individuellen Gesundheitsstatus
  • Optimierung der klassisch-medizinischen Pharmakotherapie
  • Erhaltung der Vitalität und Leistungsfähigkeit bis ins hohe Lebensalter

Nahrungsergänzungsmittel im Überblick:

Die in der orthomolekularen Medizin eingesetzten Wirkstoffe sind keine körperfremden Arzneimittel sondern körpereigene Verbindungen, die auch normalerweise in den Körperzellen vorhanden sind und die Voraussetzung für die intakte Funktion des Organismus darstellen. Sie haben aus diesem Grund auch eine viel größere therapeutische Breite, das heißt die meisten (jedoch nicht alle!!) sind selbst in hoher Dosierung frei von Nebenwirkungen. Dennoch ist eine gewisse Vorsicht geboten und eine unreflektierte Einnahme von (Kombinations-)Präparaten nicht empfehlenswert.

Zu den Mikronährstoffen zählen die folgenden Substanzen:
  • Vitamine: wasserlösliche (Vitamin C, B-Komplex, Folsäure), fettlösliche (Vitamin E, D, K, A, Betacarotin)
  • Mineralstoffe: Calcium, Magnesium, Kalium, Natrium, Phosphor
  • Spurenelemente: Selen, Zink, Eisen, Jod, Fluor, Chrom, Kupfer
  • Antioxidantien: Vitamin C, Vitamin E, Carotinoide, Glutathion, Coenzym Q10, sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe
  • Essentielle mehrfach ungesättigte Fettsäuren: Omega-3-Fettsäuren, Gamma-Linolensäure
  • Aminosäuren: Glutamin, verzweigtkettige AS (BCAAs: Leucin, Isoleucin, Valin), Kreatin und weitere

Unter der Voraussetzung einer ausgewogenen, mikronährstoffreichen Ernährung besteht grundsätzlich keine Mangelversorgung:

Verschiedentlich wird postuliert, daß eine abwechslungsreiche Mischkost, die alle Grundsätze anerkannter Ernährungsempfehlungen berücksichtigt, eine ausreichende Versorgung mit Mikronährstoffen sicherstellen sollte. Basis jeder ausgewogenen, mikronährstoffreichen Ernährung ist der ausreichende Verzehr von Obst und Gemüse, möglichst frisch geerntet und aus der Region (keine langen Transportwege), mindestens fünf Portionen pro Tag. Genau darin liegt das Problem, wohl kaum einer von uns kann von sich behaupten, daß er diese Spielregeln berücksichtigt, dazu fehlt im Alltag voll von anderweitigen Verpflichtungen meist die Zeit. Darüber hinaus ist zu berücksichtigen, daß in bestimmten Lebenssituationen und bei bestimmten Personengruppen der Nährstoffbedarf signifikant erhöht ist. So ist beispielsweise im Falle beruflicher Stressbelastung, regelmäßiger sportlicher Betätigung, in der Schwangerschaft oder im Alter der Mikronährstoffbedarf deutlich gesteigert. Personengruppen, die besonders gefährdet für eine Mangelversorgung sind, sind alte Menschen mit schlechter Ernährungssituation, Leistungssportler, Vegetarier.

Diagnose eines Mikronährstoffmangels, Auswahl und Beurteilung einer sinnvollen Substitution:

Grundlage für eine gezielte Substitution von Mikronährstoffen ist das ausführliche Anamnesegespräch in dessen Verlauf eine umfassende Dokumentation der Lebens- und Ernährungsgewohnheiten, der Krankheitsgeschichte und der Vorbelastung erfolgt. Der aktuelle klinische Befund sollte ebenso erfaßt werden wie gegebene Risikofaktoren, geäußerte Bedürfnisse und Ziele müssen Berücksichtigung finden. Blut- und Harnuntersuchungen können sich im Bedarfsfall anschließen, wobei zu berücksichtigen ist, daß geläufige Serumanalysen häufig keine Rückschlüsse auf die tatsächliche Versorgungslage mit einem Mikronährstoff zulassen. Das im besten Fall sehr differenzierte Beratungsgespräch über Sinn oder auch Unsinn einer Substitution, zu Dosierung und Auswahl der Präparate hat sämtliche so erhobenen Faktoren zu berücksichtigen und kritisch abzuwägen. Das verlangt vom ärztlichen Berater umfassendes Wissen, Einfühlungsvermögen und die Fähigkeit zur kritischen Betrachtung.

Nahrungsergänzungsmittel im Sport:

Leistungssport und leistungsorientierter Breitensport ist nicht immer mit gesundheitlicher Förderung verbunden, insbesondere dann nicht, wenn die durch den gesteigerten Energieumsatz resultierenden Nährstoffdefizite nicht ausreichend kompensiert werden. Die Folgen sind Leistungseinbußen, verminderte Regenerationsfähigkeit, erhöhtes Verletzungsrisiko und Schwächung des Immunsystems mit Infektanfälligkeit. Je nach aktueller Belastungssituation und geäußerten Beschwerden ist eine gezielte Substitution für den Sportler durchaus hilfreich. So können beispielsweise verzweigtkettige Aminosäuren in Phasen intensiver Trainingsbelastung die muskuläre Regeneration verbessern, Magnesium kann die Krampfanfälligkeit reduzieren, Antioxidantien unter anderem oxidativ bedingten Muskelschäden vorbeugen. Vitamin C, Zink und L-Glutamin stärken das Immunsystem. L-Carnitin und Coenzym Q10 ergänzen sich im Energiestoffwechsel der Muskelzelle. Wenn auch viele der Einsatzmöglichkeiten durchaus kontroversiell diskutiert und von Kritikern abgelehnt werden, finden sich für die erwähnten Nahrungsergänzungsmittel befürwortende Studienergebnisse wie auch positive Erfahrungswerte.

Einsatzmöglichkeiten von Nahrungsergänzungsmitteln bei Arteriosklerose und kardiovaskulären Risikofaktoren, die Rolle von oxidativem Stress:

Es ist in vielen Studien hinreichend belegt, daß einzelne kardiovaskuläre Risikofaktoren durch Nahrungsergänzungsmittel günstig beeinflußt werden können. So kann das stark atherogen wirksame Lipoprotein (a), ein anerkannter Risikofaktor im Lipidstoffwechsel, durch Vitamin B3 (Nikotinsäure) signifikant gesenkt werden. Homocystein, ein unabhängiger kardiovaskulärer Risikofaktor kann durch die Kombination von Vitamin B12 und Folsäure gesenkt werden. Dennoch führt die Gabe dieser Vitamine in Studien nicht zu einem reduzierten Sterblichkeitsrisiko für Herzinfarkt und Schlaganfall, wodurch generelle Empfehlungen zur therapeutischen Beeinflussung dieser Risikofaktoren mit Vitaminen nicht abgegeben werden können.

Oxidativer Stress und endotheliale Dysfunktion tragen als pathogenetische Mechanismen entscheidend zur Arteriosklerose bei. Verschiedene Antioxidantien wie beispielsweise Vitamin C und E greifen in die Mechanismen, die zu einer erhöhten Sterblichkeit an Herz-Kreislauferkrankungen führen ein (oxidative Schäden, Inflammation, Stoffwechselvorgänge), reduzieren aber nicht die Sterblichkeit per se. Die Ursache dafür ist bisher noch ungeklärt. Im Gegensatz dazu hat sich eine Ernährung reich an antioxidativ wirksamen Substanzen mit viel Obst und Gemüse in vielen Studien als präventive Maßnahme erwiesen. Obst und Gemüsekonsum verringert das Krebsrisiko ebenso wie das Risiko an kardiovaskulären Erkrankungen (Herzinfarkt, Schlaganfall, etc.) zu sterben. Verantwortlich für diesen protektiven Effekt von Obst und Gemüsekonsum ist einerseits die antioxidative Wirkung der in Obst und Gemüse enthaltenen Vitamine, daneben gibt es aber eine Reihe weiterer bioaktiver Komponenten, die positive Effekte auf die Gesundheit ausüben. Zu diesen sekundären Pflanzeninhaltsstoffen gehören Flavonoide, Phenole, Phytooestrogene, Lykopene, etc., die nicht nur über antioxidative, sondern auch über antiinflammatorische und weitere Mechanismen protektiv wirken.

Kritische Stellungnahme:

Nahrungsergänzungsmittel wie Vitamine und Co werden oft mißbraucht, um die Sünden schlechter Lebensgewohnheiten und einer unausgewogenen Ernährung zu kompensieren. Sie werden als "Life-style-Droge" angesehen, von der man sich mehr Schönheit, Gesundheit, Konzentrationsfähigkeit, körperliche Leistungsfähigkeit und bessere Belastbarkeit verspricht. In der Werbung werden diese Attribute auch suggeriert.

Die Bedeutung einiger auch in breit angelegten Studien durchaus erfolgversprechender Substanzen und die Einsatzmöglichkeiten der orthomolekularen Medizin werden dadurch gleichsam untergraben.

Die orthomolekulare Medizin ist kein Allheilmittel und auch keine Alternative zur etablierten Schulmedizin. Sie ist keine Alternative zu einer ausgewogenen mikronährstoffreichen Ernährung kann sie aber sinnvoll ergänzen.

Prävention:

Der Check-up
© Dr. Dagmar Rabensteiner | 1090 Wien | Liechtensteinstraße 11/19 | Tel: +43 - (0)1 - 47 88 488 | Mail: office [at] dagmarrabensteiner [dot] at
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